Wir zeigen Haltung

Pflege und Betreuung

Eine Seniorin streckt ein Theraband mit beiden Armen nach oben.

Unsere Häuser zum Leben stehen niemals still. Daher haben wir 2025 wieder viel bewegt und zahlreiche neue Impulse gesetzt. Denn wir entwickeln uns laufend weiter. Besonders wichtig ist uns dabei, auch unter Belastung oder geänderten Rahmenbedingungen in jeder Hinsicht Haltung zu bewahren und kontinuierlich die hohe Qualität unserer Dienstleistungen sicherzustellen.

So haben wir im vergangenen Jahr Prozesse modernisiert, unsere Mitarbeiter*innen gestärkt, neue digitale Lösungen eingeführt und zentrale gesellschaftliche Themen aktiv gestaltet. Dabei ist nicht selten abseits aller rechtlichen oder betriebswirtschaftlichen Aspekte vor allem Fingerspitzengefühl gefragt, reicht doch das Spektrum von höchst sensiblen Materien wie Menschenrechten über Gewaltschutz bis hin zur Selbstbestimmung am Lebensende.

Was uns dabei leitet, ist unser klar formulierter und gelebter Auftrag: Wir – das sind alleine in der Pflege rund 2.300 Personen – verstehen uns als Dienstleister für die Menschen in Wien. Und diese Verantwortung tragen wir gerne. Fachlich fundiert, professionell und ethisch reflektiert.

Vor allem aber ist unsere umfangreiche Erfahrung aus der Vergangenheit ein solides Fundament für alle Schritte zukünftiger Weiterentwicklung. Seit mehr als sechs Jahrzehnten stehen bei uns die Menschen im Fokus. Diese Grundhaltung schärfen wir kontinuierlich – nicht nur im täglichen Tun, sondern auch strukturell.

Und wir wagen den Blick über den Tellerrand, während wir gleichzeitig unser Wissen mit anderen teilen: Auch im vergangenen Jahr hatten wir mehrere internationale Delegationen zu Gast, um uns über Angebote und Herangehensweisen im Senior*innenwohnen auszutauschen. Als Mitglied des European Social Networks (ESN) tauschen wir uns regelmäßig über Standards in der sozialen Arbeit aus, mit der Teilnahme an internationalen Kongressen und Netzwerktreffen wie dem deutschen Pflegetag erweitern wir unseren Horizont. Und selbstverständlich pflegen wir weiterhin den direkten Kontakt mit sämtlichen Verbänden im Pflege- und Betreuungswesen für Senior*innen, wo wir in den entsprechenden Gremien vertreten sind.

Alle Erfahrungen aus dem Alltag in Pflege und Betreuung fließen unmittelbar in die Umsetzung der Häuserstrategie 2030+ der Häuser zum Leben mit ein. Wir sind federführend in die Neubauten der Häuser Haidehof und Maria Jacobi sowie in sämtliche Umbau- und Sanierungsprojekte, die unseren Bereich betreffen, involviert. So können wir die bestmöglichen Angebote für unsere Bewohner*innen und Kund*innen sowie die besten Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter*innen gewährleisten.

Auf allen Kanälen

Beste Versorgung zu jeder Zeit

Die medizinische Versorgung unserer Bewohner*innen muss stets gewährleistet sein. Genau hier setzt das Projekt Digitale Notfallversorgung für Pflegeheimbewohner*innen an, an dem wir von Beginn an gemeinsam mit Partner*innen der Stadt Wien mitgearbeitet haben. Ziel ist es, bei nicht lebensbedrohlichen, aber dringend abklärungsbedürftigen Situationen rasch eine qualifizierte ärztliche Beurteilung zu ermöglichen – direkt im Haus und ohne belastenden Transport ins Krankenhaus.

Über eine elektronische Anbindung steht ein ärztlicher Dienst zur Verfügung, der gemeinsam mit dem Pflegepersonal vor Ort eine Ersteinschätzung vornimmt. Bei Bedarf kann zusätzlich ein speziell ausgestattetes Einsatzfahrzeug entsendet werden, das diagnostische Möglichkeiten bietet, die sonst nur in Ambulanzen zur Verfügung stehen. Diese strukturierte Zusammenarbeit erlaubt es, medizinische Entscheidungen fundiert zu treffen und unnötige Krankenhausaufenthalte sowie Rettungseinsätze zu vermeiden. Für unsere Bewohner*innen bedeutet das: weniger Belastung, mehr Sicherheit und Versorgung im vertrauten Umfeld.

Lebendige Demokratie

Mitgestalten im Bewohner*innen-Beirat

Partizipation ist ein zentrales Prinzip unserer Arbeit – und sie bekommt dort Gewicht, wo sie gelebt wird. Der Bewohner*innen-Beirat der Häuser zum Leben ist ein wichtiges Gremium, das die Interessen aller Bewohner*innen vertritt. Beim fünften Gesamttreffen im Oktober stand im Haus Augarten ein bedeutendes Thema im Mittelpunkt: „Menschenrechte altern nicht“. In einem intensiven Workshop diskutierten die Beirät*innen, was Menschenrechte konkret für das Zusammenleben in unseren Häusern bedeuten und wie diese gelebt werden können – von Selbstbestimmung über respektvolle Kommunikation bis hin zur sozialen Teilhabe. Dabei war der Austausch vielfältig: Bewohner*innen berichteten nicht nur aus dem Alltag in ihren Häusern, sondern teilten auch Erfahrungen aus externen Projekten und Initiativen, etwa aus Bürger*innenräten im Rahmen der Demokratie-Initiative der Stadt Wien.

Menschenrechte als Fundament

Schulungen und Workshops

Die Menschenrechtsarbeit in den Häusern zum Leben wurde im vergangenen Jahr weiter professionalisiert. Alle Mitarbeiter*innen absolvierten verpflichtende E-Learnings. Zusätzlich fanden Workshops in sämtlichen Unternehmensbereichen statt – also auch in Bereichen wie Bau, Finanzen und Verwaltung. Der Grund dafür ist einfach: Wir legen höchsten Wert auf eine gemeinsame Basis, die Fundament für alles ist, was wir tun. Wir arbeiten dazu eng zusammen mit dem Menschenrechtsbüro der Stadt Wien, die sich als Teil des internationalen Netzwerks der Menschenrechtsstädte dafür einsetzt, dass Menschenrechte nicht nur diskutiert, sondern umgesetzt werden – auch und gerade in der Langzeitpflege.

Ausdrucksstark bleiben

Gesprächsbereit dank "Unterstützter Kommunikation"

Selbstbestimmung beginnt bei der Möglichkeit, sich mitzuteilen. Mit dem Projekt „Unterstützte Kommunikation“ (UK), das wir gemeinsam mit der FH Technikum Wien umsetzen, stärken wir gezielt die Ausdrucksmöglichkeiten unserer Bewohner*innen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Methode „Talking Mats“: Dabei werden Symbolkarten auf eine Matte gelegt, wodurch Gespräche strukturiert und Meinungen, Vorlieben oder Bedürfnisse sichtbar gemacht werden. Das ist besonders für Menschen mit beginnender Demenz hilfreich.

Welche Methode in der Praxis am besten funktioniert, wird von uns im Detail überprüft. So probierten im August Bewohner*innen im Haus Penzing individuelle Tools für persönliche Bedarfe aus. Mit Begeisterung haben sie verschiedene Hilfsmittel getestet, etwa eine Maussteuerung für Mund oder Finger, genannt „FLipMouse“, die praktische Umgebungssteuerung „FABI“-Taster und die Software „AsTeRICS Grid“, die eine Kommunikation mittels Piktogrammen ermöglicht.

Sucht im Fokus

Fachtagung zu einem Tabuthema

Sucht im Alter ist ein Thema, das in der öffentlichen Wahrnehmung oft übersehen oder tabuisiert wird. Umso wichtiger war es, diesem sensiblen Bereich im Rahmen der Fachtagung „SEHN-SÜCHTIG. Suchterkrankungen im Alter im institutionellen Kontext“ breiten fachlichen Raum zu geben. In mehreren Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich, dass ältere Menschen aufgrund von Lebensveränderungen, wie dem Übergang in den Ruhestand oder dem Verlust vertrauter Strukturen, besonders vulnerabel für problematischen Substanzgebrauch und andere Suchterkrankungen sein können.

Ein zentrales Anliegen war und ist, Stigmatisierung zu vermeiden und stattdessen offenes Zuhören, Hinsehen und empathische Unterstützung zu fördern. Die Zukunftssicherung der Versorgung braucht eine enge Zusammenarbeit zwischen Pflege, Medizin, Psychologie und externen Beratungsstellen – ein Ansatz, den wir in unserer täglichen Praxis verstärkt weiterentwickeln.

Respekt vor dem Tod

Unser Umgang mit Sterbeverfügung

Das Thema Sterbeverfügung hat 2025 in unseren Häusern bewusst Raum bekommen. Unsere Fachexpert*innen aus Recht, Pflege, Medizin, Psychologie und Sozialarbeit haben ein interdisziplinäres Handbuch erarbeitet. Es schafft Orientierung im Umgang mit Anfragen zur Errichtung oder Umsetzung einer Sterbeverfügung und definiert klare Abläufe sowie Unterstützungsstrukturen. Ziel ist es, rechtliche Sicherheit mit menschlicher Begleitung zu verbinden. Wenn Bewohner*innen sich in einer existenziellen Lebensphase an uns wenden, dürfen sie nicht auf Unsicherheit oder Sprachlosigkeit treffen. Gleichzeitig lassen wir unsere Mitarbeiter*innen in dieser herausfordernden Situation nicht allein.

Nah am Menschen

Weiterbildung mit Sinn

Unsere Abteilungshilfen sind im Alltag unserer Häuser unverzichtbar. Sie sorgen nicht nur für Ordnung und reibungslose Abläufe, sondern stehen täglich in engem Kontakt mit unseren Bewohner*innen. Im vergangenen Jahr haben wir diese Berufsgruppe daher wieder gezielt in unser unternehmensweites Bildungssystem eingebunden und ihre Rolle weiter gestärkt. Rund 600 Abteilungshilfen nahmen an einem gemeinsam mit dem Fortbildungszentrum des FSW entwickelten Schulungsprogramm teil. Ziel ist es, Alltagsmomente bewusster zu nutzen: Mahlzeiten, Reinigungsarbeiten oder kurze Begegnungen im Wohnbereich bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für Aktivierung, Kommunikation und Beziehungsarbeit.

Demenz on Air

Expert*innen im Austausch mit Betroffenen

Seit Jahren betreiben wir den virtuellen #demenzRAUM, eine niedrigschwellige Online-Plattform, auf der sich Betroffene, pflegende Angehörige, Interessierte und Fachleute über Demenz austauschen. In regelmäßigen Live-Sendungen und Gesprächsrunden werden unterschiedliche Aspekte der Krankheit, praktische Alltagshilfen und verschiedene Unterstützungsansätze behandelt.

Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Tabus abzubauen und Menschen mit Demenz sowie ihren Angehörigen konkrete Orientierung und Unterstützung zu geben. Die Gespräche werden gemeinsam mit Expert*innen geführt und aufgezeichnet; alle bisherigen Folgen stehen über den YouTube-Kanal der Häuser zum Leben dauerhaft zur Verfügung. Neben dem virtuellen Austausch laden die Häuser auch zu Präsenz-Informationsveranstaltungen ein.

Null Toleranz

Gewaltschutz und -prävention im Alltag

Mit unserem unternehmensweiten Gewaltschutzprogramm setzen wir neue Standards in der Pflege und Betreuung und sehen uns als Beispiel guter Praxis für alle Pflegeeinrichtungen. Wir haben eine eigene Koordinationsstruktur geschaffen und arbeiten eng mit dem Gewaltschutzzentrum Wien zusammen. Unser Ansatz ist umfassend: Gewalt kann alle betreffen: Bewohner*innen, Mitarbeiter*innen und Angehörige. Prävention, Schulung und professionelle Begleitung stehen im Mittelpunkt. Das Programm umfasst kontinuierliche Schulungen und E-Learning-Angebote für unsere mehr als 5.000 Mitarbeiter*innen, Supervision, Informationsarbeit sowie enge Kooperationen mit Fachstellen wie dem Gewaltschutzzentrum Wien.

Die Gewaltprävention ist integraler Bestandteil unseres täglichen Handelns. Daher ist die jährliche Teilnahme an der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ als Zeichen gegen Gewalt in all ihren Formen obligatorisch, ob physisch, psychisch oder strukturell. Würde, Selbstbestimmung und Schutz gehören untrennbar zusammen. Wir wollen nicht nur Gewalt verhindern, sondern eine Kultur des Hinsehens, des Respekts und der Wertschätzung im Alltag leben.

Voneinander lernen

Soziale Arbeit im Fokus

Ohne soziale Arbeit würde unser Betrieb stillstehen. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Alltags und wird daher auch mit dem entsprechenden Stellenwert gewürdigt – unter anderem mit unserem Engagement im European Social Network (ESN). Der von ESN initiierte europäische Qualitätsrahmen für Sozialdienstleistungen schafft einen gemeinsamen Bezugsstandard und fördert den fachlichen Austausch über gute Praxis, innovative Konzepte und wirksame Unterstützungsformen. Wir waren im vergangenen Jahr bei der Erarbeitung federführend dabei und haben das Papier im Europäischen Parlament präsentiert. Für uns bedeutet die Mitwirkung am Qualitätsrahmen aber nicht nur Anerkennung, sondern auch verpflichtende Weiterentwicklung: Wir lernen von internationalen Partnern, geben unsere Erfahrungen weiter und stärken so die Qualität und Transparenz unserer Arbeit.

Auch am World Social Work Day wurde heuer die Rolle der Sozialarbeit in unseren Häusern in den Fokus gerückt. Seit 1973 sind Sozialarbeiter*innen in unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ob psychosoziale Begleitung, Konfliktlösung, Beratung, Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe und Hospizbegleitung: Unsere Kolleg*innen leisten einen enormen Beitrag im Zusammenleben in den Häusern und zwischen den Generationen.