Mit den Menschen

Pflege und Betreuung

„Im Jahr 2019 haben wir viele Prozesse in der Unternehmensorganisationbegonnen, die wir 2020 vorübergehendstoppen oder zumindest anders umsetzen mussten. Die Pandemie hat uns gelehrt, dass man nicht alles planenkann. Aber vor allem hat sie uns gezeigt, wie mehr als4.800 MitarbeiterInnen zusammenrücken und zusammenhalten,wenn es notwendig ist. Wir können voller Stolz aufunsere Leistungen in diesem Krisenjahr zurückblicken.“

Simon Bluma | Bereichsleiter Häuser und Digitalisierung

Insgesamt rund 9.000 ältere Menschen sind in unseren 30 Häusern zum Leben daheim. Gut aufgehoben, betreut und in einer Umgebung, die es ihnen erlaubt, ihr Leben so lange wie möglich selbstständig führen zu können. In den Häusern zum Leben dreht sich seit 60 Jahren alles um das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Menschen.

Plötzlich kam Corona: Mit dem Beginn der globalen Gesundheitskrise im Jahr 2020 waren alle unsere BewohnerInnen mit massiven Veränderungen ihrer gewohnten Lebensumstände konfrontiert. Aus Sicherheitsgründen mussten wir – im Einklang mit den Verordnungen der Bundesregierung und den Vorgaben der Stadt Wien – Besuche der Zu- und Angehörigen immer wieder einschränken oder sogar verbieten – und das auf längere Zeit. Die Angst vor Krankheit oder Vereinsamung war ein ständiger Begleiter, manche Menschen zogen sich zurück, hin und wieder gab es Widerstand gegen die Schutzmaßnahmen. Es war für alle schwer und eine völlig neue Situation und Herausforderung. Dennoch: Die meisten kamen – und kommen noch immer – sehr gut durch diese schwere Zeit.

 

Das Krisenmanagement des KWP funktionierte auch dank der raschen und guten Kommunikation in den Häusern. Für die MitarbeiterInnen wurden Hygienevideos in elf Sprachen gedreht. Die BewohnerInnen erhielten wiederum über das Mini-Magazin „Zu Hause“ alle
14 Tage einen Überblick über die aktuellen Maßnahmen und Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie.

Trotz des verordneten Abstands funktionierte die Gemeinschaft zwischen unseren BewohnerInnen und MitarbeiterInnen. Es entstanden wahre Hausgemeinschaften. Da sich das Leben und die Aktivitäten im Freien in manchen Wochen
und Monaten in den Häusern und im Garten konzentrierte, die PensionistInnen-Klubs außerhalb der Häuser zum Leben geschlossen waren, die Betreuung statt in Gruppen nur noch einzeln stattfand und auch sonst viele nie zuvor gekannte Herausforderungen auf der Tagesordnung
standen, waren das Verständnis und die Mithilfe aller gefragt.

Mit großem Engagement halfen KlubbetreuerInnen und Zivildiener in den Häusern aus. Gerade auch in jenen Wochen, als sich das Leben vor allem in und um die Häuser verlagerte, der Besuch von außen erschwert war und auch das Essen in die Wohnungen geliefert wurde, gab es Momente der Gemeinschaft. Da fand mit ausreichend Distanz auf den Gängen ein reger Austausch statt, Unternehmungen wurden eben in kleineren Gruppen statt in geselliger Runde durchgeführt, der Markt.Platz wurde mobil, und wer die eine oder andere Besonderheit
benötigte, konnte sich auf den neuen Einkaufsservice und viele hilfsbereite Menschen verlassen.

Sicherheit geht vor

Gleich nach den ersten Corona-Fällen im März hat das KWP bereits im ersten Lockdown regelmäßige Tests der BewohnerInnen und MitarbeiterInnen durchgeführt. Diese österreichweit einzigartige Aktion zum Schutz der vulnerablen Personen war wie auch die Schaffung von Isolationsbereichen ein voller Erfolg. Die Infektionen wurden weniger, die Lage entspannte sich allmählich. Neben der Sicherheit vor dem Virus haben wir auch das seelische Befinden der Menschen nie aus den Augen gelassen. Während der Besuchsverbote haben unsere MitarbeiterInnen rasch digitale Lösungen entwickelt, um den Kontakt zwischen den BewohnerInnen und ihren Liebsten per Tablets mit Videotelefonie aufrechtzuerhalten.

Wir haben in diesem Jahr viel gelernt, und auch wenn einige unserer ursprünglich geplanten Projekte ins Wasser fielen, so entstanden doch jede Menge neue Initiativen und kreative Ideen, die das Leben und Zusammenleben auch in dieser schweren Zeit bereicherten. Wir bleiben zuversichtlich und vertrauen darauf, dass wir uns – durch den Impfstart in unseren Häusern im Dezember und die inzwischen sehr hohe Durchimpfungsrate – im Laufe des zweiten und dritten Quartals 2021 wieder voll und ganz der individuellen Pflege und Betreuung unserer BewohnerInnen widmen und allen so wieder ein möglichst selbstständiges und normales Leben ermöglichen können.

Ruhiger Abschied
Stationäre Hospizplätze​

Seit Herbst 2019 gibt es in den Häusern zum Leben nicht nur für sterbende BewohnerInnen, sondern auch für unheilbar kranke Menschen ab 18 Jahren Raum für einen würdevollen Tod. Diese finden in den inzwischen acht stationären Hospizplätzen einen Ort der Ruhe und Geborgenheit. Dort werden sie in ihrer letzten Lebensphase umfassend und einfühlsam pflegerisch, medizinisch und psychosozial betreut und begleitet. Durch die Kooperation zwischen den
Häusern zum Leben und dem mobilen Palliativteam des Wiener Hilfswerks können gerade in akuten oder unerwarteten Situationen die richtigen Entscheidungen
getroffen und Krankenhauseinweisungen am Lebensende vermieden werden. Selbstverständlich unterstützen wir auch die Zu- und Angehörigen so, wie
sie es in dieser schwierigen Lebensphase brauchen.

Im ersten Jahr mit Vollbetrieb fanden insgesamt 28 schwer erkrankte Menschen Aufnahme im stationären Hospiz der Häuser zum Leben. 20 Personen sind verstorben. Das durchschnittliche Lebensalter der 16 Frauen betrug 73,8 Jahre, bei den 12 Männern waren es 66,1 Jahre. Die gute Betreuung wäre gerade in diesem schweren Jahr 2020 ohne den großen Einsatz ehrenamtlicher MitarbeiterInnen nicht möglich gewesen. Sie leisteten einen Betreuungsaufwand von etwa 620 Stunden.

Rückkehr mit Schwung​
Wieder mobil dank Remob​

Nach einem Sturz zurück ins bewegte Leben: In den Häusern zum Leben fördern wir gezielt die Rückkehr nach Verletzungen, Operationen oder Krankheiten. Seit Einführung der Remobilisationsstationen im Haus Wieden und im Haus Atzgersdorf bieten wir eine ganzheitliche medizinische und pflegerische Betreuung. Ergo- und Physiotherapie fehlen dabei genauso wenig wie mobile interdisziplinäre Nachbetreuungen durch die ExpertInnenteams des KWP. Das kommt neben den BewohnerInnen auch externen Personen zugute. Die spezielle Form der Kurzzeitpflege kann beim Fonds Soziales Wien beantragt oder auch vom AKH Wien direkt zugewiesen werden. Insgesamt 567 Personen nahmen dieses Angebot im Vorjahr in Anspruch.

Im Jahr 2020 wurde im Haus Gustav Klimt eine weitere Remobilisationsstation eröffnet. Und das erweiterte Angebot Remob Plus ermöglicht BewohnerInnen nach schweren Verletzungen, Operationen und Krankheiten durch mobile interdisziplinäre Nachbetreuung direkt in ihren Stammhäusern eine deutlich raschere Rückkehr ins selbstbestimmte Alltagsleben. Um gröbere Probleme künftig schon früher erkennen zu können, setzen wir zudem ein gezieltes Screening-Programm zur Vorbeugung ein.

Räume der Geborgenheit
Ausbau der Tag.Familie

Die Tag.Familien in den Häusern zum Leben bieten Menschen mit sozialpsychiatrischem Bedarf, Behinderung oder Demenz ein möglichst alltagsnormales, sicheres und wohlbehütetes Umfeld. Im Jahr 2020 wurden zwei weitere Tag.Familien für Menschen mit Demenz eröffnet. Damit sind es insgesamt bereits 52 Tag.Familien für Menschen mit Demenz. Diese werden dort in ihrem Tagesablauf begleitet und durch sinnstiftende Tätigkeiten ebenso gefordert wie gefördert. Das Ziel: so lange wie möglich die Lebensqualität hochzuhalten. Neben den auf Demenzerkrankungen spezialisierten Tag.Familien kommen jeweils zwei weitere Tag.Familien mit Schwerpunkten hinzu. In den Häusern Mariahilf und Neubau können Menschen mit Behinderung bzw. mit psychischen Problemen oder Suchtkrankheiten in einer geborgenen Umgebung ihr gewohntes Leben weiterleben.

Betreuung in der Krise
Psychologische Unterstützung

Die Ausnahmesituation durch die Pandemie erforderte 2020 weit mehr psychologische Unterstützung für MitarbeiterInnen und BewohnerInnen als in normalen Jahren. Der Druck war über Monate hinweg hoch, Entlastung notwendig. Daher wurde gleich zu Beginn der Corona-Krise ein Wochenend- und Feiertagsdienst des psychologischen Dienstes eingeführt. Die Betroffenen litten vor allem unter dem Verlust des Lebenssinns, weil sie ihre Liebsten nicht sehen durften, Einsamkeit, Depression und Erschöpfung. Hier boten die MitarbeiterInnen des psychologischen Dienstes ihre Hilfe an, zeigten Perspektiven auf und machten Mut. In den Häusern zum Leben betreuen wir auch psychisch erkrankte Menschen. Dafür haben wir im Jahr 2019 den Psychiatrischen Liaisondienst (PLD) ins Leben gerufen. PsychologInnen und MitarbeiterInnen der psychiatrischen Gesundheits und Krankenpflege kümmern sich gemeinsam um betroffene BewohnerInnen und teilen ihre Expertise mit den Teams in den Häusern. Die Folgen der Pandemie machten sich auch hier bemerkbar. Gerade die psychisch erkrankten BewohnerInnen konnten vielfach nur schwer mit der ungewöhnlichen Situation umgehen. Das führte nicht selten zu aggressiven, selbstund fremdgefährdenden, ablehnenden und verweigernden Verhaltensweisen. Das Unterstützungsangebot für die BetreuerInnen wurde daher um zusätzliche Deeskalationsstrategien und Beratungen erweitert.

#demenzRAUM
Demenz geht alle etwas an

Es ist Zeit, über Demenz zu reden. Denn die ist längst kein Tabu mehr und außerdem lässt sich dagegen auch etwas unternehmen. Um künftig einen offenen Zugang zum Thema Demenz in der Gesellschaft zu etablieren, entwickelten die Häuser zum Leben den #demenzRAUM. Im virtuellen Raum sprachen Betroffene und ExpertInnen wie Vicki de Klerk-Rubin, Dr. Christine Reiler, Maria Rösslhumer oder Johanna Constantini über das Thema Demenz, sowie die verschiedenen Facetten der Krankheit und teilten ihre persönlichen Erfahrungen und Zugänge.

Der #demenzRAUM wird von anderen Organisationen und Partnern wie dem Verein Promenz sowie der Plattform Demenzfreundliches Wien, der das KWP als Gründungsmitglied angehört, unterstützt. Neben Erfahrungsberichten und Expertenmeinungen wird in den Videos über Selbsthilfe- und Unterstützungsangebot
in den Häusern zum Leben und der Partnerorganisationen berichtet.

Alle #demenzRAUM-Folgen gibt es auf YouTube zum Nachsehen.